Das Arbeiten mit Aromen, speziell im Krankheitsfall,hat in beinahe allen Kulturen dieser Welt eine jahrtausend alte Tradition. Und auch in der heutigen Medizin wird die Aromatherapie wieder vermehrt eingesetzt. In den letzten Jahren hat das Arbeiten mit ätherischen Essenzen auch zunehmend in der Tierhaltung an Bedeutung gewonnen. Viele Zoos arbeiten heute z.B. gezielt mit Gerüchen, um den Tieren die dort leben Abwechslung und Beschäftigung zu bieten. Wenn wir uns einmal überlegen wie positiv manche Düfte und Gerüche auf uns wirken, ist es auch kaum verwunderlich, dass unsere Vierbeiner mit ihrem viel feineren Geruchsinn ebenfalls Gefallen an bestimmte Aromen finden.
Der Hund hat bekanntlich eine sensible Nase, das beweisen z.B. Zoll- oder Suchhunde täglich. Rein anatomisch gesehen, hat der Hund im Vergleich zu uns Menschen eindeutig "die Nase vorn"....Der Hund besitzt stolze 220 Millionen Riechzellen, der Mensch hat grade einmal 5 Millionen Riechzellen. Die Riechschleimhaut beträgt beim Hund eine Oberfläche von 150 cm² und eine Dicke von 0,12 mm. Beim Menschen misst die Oberfläche knapp 5 cm² und hat eine Dicke von 0,06 mm.
Bei der Aromatherapie unterscheidet man zwei Einsatzbereiche: den Physischen (Körperliche Anwendung, z.B. Schwarzkümmelöl bei Ekzemen oder Hautpilzen) und den Psychischen (Geistige Wirkung z.B. in der Verhaltenstherapie). Auf letzteres möchte ich hier etwas näher eingehen. In Deutschland noch relativ unbekannt, wird in England die Aromatherapie schon seit einiger Zeit sehr aktiv und gezielt bei der Verhaltenstherapie von Hunden mit großen Erfolg angewendet. Ängstliche, gestreßte, gereizte oder verschüchterte Tiere können so mit sanfter Hilfe und ohne viel Zeit oder Kostenaufwand stabilisiert und unterstützt werden. Aber auch jeder andere Hund kann einfach nur zur Entspannung mit einer Aromatherapie verwöhnt werden.
Für die Aromatherapie, die Geist und Sinnen gut tun soll, können Räucherkegel, Aromakerzen, Räucherstäbchen oder Duftlampen eingesetzt werden. Für Tiere eignet sich letztere Variante am besten, da Räucherkegel und -stäbchen oft zu stark in der Nase kitzeln und Duftkerzen oftmals im Geruch zu Aufdringlich sind, außerdem kann bei Kerzen, Stäbchen und Kegel die Intensität nicht kontrolliert und dosiert werden.
Bei einer Duftlampe wird das ätherische Öl mit Wasser verdünnt in ein Schälchen gegeben und darunter wird ein Teelicht angezündet. Durch die aufsteigende Wärme wird das Wasser erhitzt und der Duft entfaltet sich. Bei der Dosierung der Menge des Öles immer bedenken, wie unterschiedlich wir und der Hund den Duft wahrnehmen! Für Hunde reicht eine kleine Menge an Öl schon aus! Lieber "klein" mit 1 - 2 Tropfen anfangen und je nach Reaktion des Hundes die Menge bis maximal 8 Tropfen steigern.
Für eine Aromatherapie ein Zimmer wählen, wo die Fenster sich öffnen lassen- sollte einmal Duftnote oder Menge verkehrt sein, kann durch Lüften der Irrtum schnell behoben werden. Am besten ist die Umgebung ruhig (kein laufender Fernseher im Hintergrund, viele Menschen, die durcheinander reden anwesend usw...) und der Hund wach, aber entspannt. (Den Hund niemals dafür aus den Schlaf reißen oder gleich nach bzw. vor dem Fressen oder spazieren gehen mit der Therapie anfangen!) Das Tier muss außerdem die Möglichkeit haben, den Raum jeder Zeit verlassen zu können und darf nicht "festgehalten" werden! Die Duftlampe in der Nähe des Hundes aufstellen und seine Reaktion abwarten- schnuppert er und bleibt entspannt liegen kann durch langsame, kreisende Handbewegungen ihm der Duft zu gefächert werden. Durch konzentriertes beobachten des Tieres kann die Wirkung des Duftes eingeordnet werden. Jeder Halter kennt seinen Hund am besten und weiß, wann ihm etwas gefällt und er entspannt. Zeigt der Hund das er den geruch nicht mag- sofort abbrechen! Auch die Länge der Sitzung richtet sich nach der Bereitschaft des Hundes- ob 5 oder 20 Minuten, der Hund bestimmt dem Zeitpunkt wenn es reicht! Aromatherapien sollten nicht in der Trächtigkeit oder bei vorliegenden Grunderkrankungen durchgeführt werden!
Den richtigen Duft zu finden ist manchmal gar nicht so einfach.Im Vorfeld sollte man also überlegen, wo das Problem liegt oder wie man seinen Hund unterstützen möchte. Als Faustregel gilt, dass blumige Gerüche für Sinnlichkeit, Glück und Harmonie stehen und Baumdüfte als Kraftspender und Energieliferanten eingesetzt werden. Zitrusdüfte sollten am besten gar nicht oder nur in minimalster Dosis eingesetzt werden! Sie gelten zwar als belebend und erfrischend, reizen aber die Hundenase und werden von den Vierbeinern oft als unangenehm empfunden.
Hier ein paar Duftnoten und deren Eigenschaften:
Rose = Trostspender, Inspirierend, Harmonisierend, Beruhigend
Lavendel = Ausgleichend, Besänftigend, Stimmungshebend
Ylang Ylang = Stimmungsaufhellend, hilft bei Minderwertigkeitskomplexen, gut bei Niedergeschlagenheit, gegen Angespanntheit
Sandelholz = Beruhigend, Wohltuend bei Niedergeschlagenheit, Wärmend
Zimt = Stärkt, Geborgenheit, Anregend
Fichte = Kräftigend, Stabilisierend
Es sollten immer nur 100% naturreine, hochwertige Öle verwendet werden, nur so kann eine Wirkung mit der Aromatherapie erzielt werden! Da die Öle frei verkäuflich sind und überall erstanden werden können, sind leider auch oft Produkte dabei, die nicht rein biologisch sind. Diese Öle können Rückstände von giftigen Spritzmitteln enthalten, der Duft kann verfälscht sein und es können chemische Zusatzstoffe enthalten sein, die den Hund bzw. seine Nase stören.
Bei ernshaften Verhaltensproblemen muß natürlich ein Tierarzt aufgesucht werden! Aber an einen ruhigen Abend eine Aromatherapie vielleicht kombiniert mit einer sanften Massage ist für Hund und Halter ein kleines, entspanntes Wellness-Vergnügen, was jeder daheim durchführen kann!
